Zwischen den ersten beiden Zahlen liegen 53 Prozentpunkte. Das ist kein Messfehler, sondern die Lücke zwischen dem, was ein Betrieb über sich glaubt, und dem, was bei den Jugendlichen ankommt. Solange diese Lücke besteht, wirkt jede Maßnahme im Personalmarketing nur bis zur Eingangstür.
Die Lage hat sich gedreht, aber nicht zu Ihren Gunsten
Noch 2019 bekamen 73 Prozent der Ausbildungsplatzsuchenden mehrere Angebote und konnten wählen. Inzwischen sind es 42 Prozent – so wenige wie zuletzt 2014. Nach Jahren des Bewerbermarktes ist das eine Trendwende.
Wer daraus schließt, er müsse sich weniger anstrengen, liest die Zahl falsch. Gleichzeitig konnten 38 Prozent der Ausbildungsbetriebe ihre Stellen nicht besetzen. Es sind also nicht plötzlich zu wenige junge Leute da – sie kommen nur nicht bei Ihnen an.
Wo Sie sich selbst im Weg stehen
Die Studie fragt Ausbildungsverantwortliche nach ihrem eigenen Verfahren. Die Antworten sind unbequem:
- Nur 54 Prozent haben einen Bewerbungsprozess ohne vorherige Registrierung.
- Nur 32 Prozent verzichten auf ein Anschreiben.
- Bei 38 Prozent funktioniert die Bewerbung nicht per Smartphone – bei einer Zielgruppe, die fast alles auf dem Telefon erledigt.
- 35 Prozent haben ihren eigenen Bewerbungsprozess nie selbst durchlaufen.
- 49 Prozent haben kein schriftlich festgelegtes Anforderungsprofil für Auszubildende.
Der letzte Punkt erklärt den vorletzten. Wer nicht aufgeschrieben hat, wen er sucht, schreibt in die Anzeige, was ohnehin alle schreiben: Teamfähigkeit (80 Prozent), Zuverlässigkeit (68 Prozent), Kommunikationsfähigkeit (62 Prozent). Und 61 Prozent verlangen eine „gute Auffassungsgabe“ – ein Merkmal, das sich aus einer schriftlichen Bewerbung nicht ablesen lässt.
Woran Bewerbungen scheitern
Der häufigste Ablehnungsgrund ist fehlendes Wissen über den Ausbildungsberuf (65 Prozent), gefolgt von Mathematiknoten (47 Prozent) und fehlendem Wissen über das Unternehmen (36 Prozent).
Das ist bemerkenswert, weil der erste und der dritte Grund nichts über Eignung aussagen, sondern über Vorbereitung. Beides ließe sich vorher beheben – und genau dort setzen wir an.
Wo Sechzehn- bis Neunzehnjährige tatsächlich suchen
Nicht dort, wo die meisten Budgets liegen.
Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz führen Suchmaschinen mit 64 Prozent, deutlich vor Job-Apps (37 Prozent). Bei der allgemeinen Information über Berufe: Suchmaschine 41, YouTube 36, Instagram 35 – TikTok kommt mit 27 Prozent erst auf Platz fünf und wird regelmäßig überschätzt.
Und wenn man Jugendliche vor die Wahl stellt, schlägt der Schnuppertag im Betrieb (70 Prozent) das Video zum Ausbildungsberuf (30 Prozent) um Längen. Der Rat von Eltern (81 Prozent) und Freunden (80 Prozent) wiegt weit schwerer als der Hinweis einer künstlichen Intelligenz (19 Prozent).
Für über die Hälfte der Jugendlichen beeinflussen die Berufe der Eltern die eigene Wahl. Wer also Nachwuchs sucht, wirbt immer auch bei Menschen um die fünfzig.
Was wir dabei beitragen
Wir sitzen das ganze Jahr in den Jahrgängen, um die Sie werben – als Projekt an Schulen und in der Einzelberatung. Wir hören, welche Arbeitgeber in einer Oberstufe ein Begriff sind und welche nicht, und woran das liegt. Und wir sehen, woran Bewerbungen in der Vorbereitung scheitern, bevor sie bei Ihnen ankommen.
Daraus wird eine Ansprache, die nicht nur gut aussieht, sondern bei Sechzehn- bis Neunzehnjährigen ankommt – und ein Bewerbungsweg, den ein Siebzehnjähriger auf dem Handy zu Ende bringt.
Gewinnen ist die eine Hälfte
Übrigens: Das Auswahlinstrument, das in Ihren Assessment-Centern steht, setzen wir in der Oberstufe ein – aus dem umgekehrten Grund. Warum, steht unter Die Postkorbübung.
Ein Personalmarketing, das mit der Einstellung endet, ist halb bezahlt. Wer einen Auszubildenden gewinnt und im zweiten Jahr verliert, hat zweimal geworben. An die Gewinnung müssen Instrumente anschließen, die binden – und die fangen am ersten Tag an, nicht im dritten Jahr.
Dieselben drei Punkte tragen wir bei der BKU-Bundestagung Anfang Oktober 2026 vor: Die nächste Generation im Arbeitsmarkt. Wenn Sie das Format für Ihren Verband oder Ihre Kammer brauchen, sagen Sie Bescheid.