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Einordnung

Wo das Pflichtprogramm endet

In jedem Bundesland gibt es ein verbindliches Konzept zur Berufs- und Studienorientierung. Sie heißen unterschiedlich und meinen dasselbe: Kein Jugendlicher soll die Schule verlassen, ohne sich einmal mit der Zeit danach beschäftigt zu haben. Das wirkt – und es hat eine Grenze.

Ein Pflichtprogramm kann dafür sorgen, dass jeder einmal hinschaut. Dass jemand genauer hinschaut, kann es nicht.

Wir arbeiten in drei Bundesländern, und in jedem heißt das Programm anders. In Nordrhein-Westfalen ist es KAoA – „Kein Abschluss ohne Anschluss“. In Baden-Württemberg das Landeskonzept Berufliche Orientierung, seit 2018 in Kraft. In Hessen bündelt OloV die Arbeit am Übergang von der Schule in den Beruf, ergänzt um den Erlass zur Beruflichen Orientierung.

Drei Namen, drei Verwaltungswege, dieselbe Idee. Für eine Schule heißt das: Sie erfüllt ein Programm, das sie sich nicht ausgesucht hat, mit Mitteln, die ihr zugewiesen werden, in einem Zeitfenster, das feststeht.

Was in den drei Ländern im Einzelnen geregelt ist – Rechtsgrundlage, Ansprechpersonen, Aufbau und Länge der Oberstufe –, steht nebenan im Ländervergleich.

Was diese Programme leisten

Sie sorgen dafür, dass das Thema überhaupt stattfindet. Vor ihrer Einführung hing Berufsorientierung an einzelnen engagierten Lehrkräften; heute ist sie Teil des Schulprogramms, mit Ansprechpartnern, Stunden und Dokumentation. Das ist ein echter Fortschritt, und wer ihn kleinredet, kennt die Zeit davor nicht.

Sie erreichen außerdem alle. Gerade die Jugendlichen, die von zu Hause wenig Orientierung mitbekommen, kommen ohne ein verbindliches Programm nirgends an.

Und wo sie an eine Grenze stoßen

Ein Pflichtprogramm kann Aufmerksamkeit herstellen. Es kann keine Entscheidung herbeiführen.

Das liegt in seiner Natur: Was für einen ganzen Jahrgang gilt, muss für den Durchschnitt gebaut sein. Es kann nicht auf den eingehen, der in Mathematik brilliert und trotzdem Geschichte studieren will, und nicht auf die, die drei Wege gleichzeitig für möglich hält. Genau dort fängt aber die Arbeit an, die zu einer Entscheidung führt.

Dazu kommt ein Punkt, über den ungern gesprochen wird: Was verpflichtend ist, wird als Pflicht erledigt. Siebzehnjährige unterscheiden sehr genau zwischen dem, was sie tun müssen, und dem, wofür sie sich entschieden haben. Warum wir deshalb ausschließlich freiwillige Projekte anbieten, steht unter Warum Freiwilligkeit der Unterschied ist.

Wo wir ergänzen

Unser Projekt heißt FIBIDO – „Freiwillige Individuelle Berufsorientierung In Der Oberstufe“. Es ist ein Projekt der vertieften Berufsorientierung und schließt genau an der Stelle an, an der das Landesprogramm endet: bei der einzelnen Schülerin, dem einzelnen Schüler.

Wenn ein junger Mensch heute ein Fahrrad oder einen Laptop kauft, vergleicht er wochenlang Einzelheiten. Bei der Berufswahl fällt diese Recherche regelmäßig kürzer aus. Dabei sind es in allen drei Wegen nach der Schule dieselben Fragen, die beantwortet sein müssen:

Querschnittsinformationen

Drei Wege, dieselben sieben Fragen

Egal, welchen Weg jemand nach der Schule einschlägt – die Informationen, die er dafür braucht, sind in allen drei Fällen dieselben. Wer sie einmal beschafft hat, kann die Wege überhaupt erst vergleichen.

  • Studium
  • Duales Studium
  • Berufliche Ausbildung
  1. Was studieren oder arbeiten?
  2. Zugangsvoraussetzungen
  3. Berufsbilder
  4. Berufsaussichten
  5. Bewerbungsverfahren
  6. Wahl der Hochschule oder des Unternehmens
  7. Ausbildungs- und Studieninhalte

Diese Informationsbeschaffung begleiten wir – mit unterschiedlichen Projekten, je nachdem, was an Ihrer Schule schon läuft:

  • Entwicklung eines Schulpraktikaprogramms
  • Organisation von Unternehmensvorträgen
  • FIBIDO zur Analyse fachlicher und persönlicher Stärken, mit anschließender Beratung
  • der Workshop MEINS, wenn es weniger um Messung als um Planung geht
  • Projekte für benachteiligte Schülerinnen und Schüler, gefördert über den Europäischen Sozialfonds

Wenn das Budget nicht reicht

Die Mittel der Landesprogramme sind gedeckelt, und sie sind in den vergangenen Jahren nicht großzügiger geworden. Dass ein Vorhaben am Haushalt scheitert, ist der häufigste Grund, aus dem es nicht stattfindet.

Ein Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Der Haushaltstitel für die Berufsorientierung im Rahmen von KAoA steht 2026 bei 5,59 Millionen Euro – genauso hoch wie im Vorjahr. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW merkt dazu an, die Mittel seien lediglich „überrollt“ worden, ein Ausgleich für gestiegene Kosten sei erneut ausgeblieben. Gleichbleibende Beträge bei steigenden Kosten sind rechnerisch eine Kürzung. Für dieselbe Arbeit steht also weniger zur Verfügung, ohne dass ein Programm gestrichen würde.

Das muss ein Vorhaben nicht scheitern lassen. Wie sich ein Projekt über eine Stiftung, einen regionalen Förderer oder öffentliche Mittel finanzieren lässt, steht unter Projektfinanzierung. Den Antrag schreiben wir.

Was Lehrkräfte danach sagen

  • Seit zehn Jahren arbeite ich als Berufskoordinator am Helmholtz-Gymnasium mit Herrn Thimm vertrauensvoll zusammen, und ich bin davon überzeugt, dass seine Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern und seine Expertise und Beratung eine wichtige Bereicherung unseres KAoA-Angebotes in der Sekundarstufe II darstellt. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder nach der Veranstaltung positives Feedback von den Schülerinnen und Schülern bekommen.

    Michael Mälchers, OStR, Berufskoordinator am Helmholtz-Gymnasium Bonn September 2026

Kontakt

Wie ergänzen wir, was Sie schon tun?

Sagen Sie uns, welches Programm an Ihrer Schule läuft und wo Sie eine Lücke sehen. Wenn wir keine schließen können, sagen wir das auch.

Quellen

Die Landeskonzepte im Wortlaut: KAoA, Nordrhein-Westfalen, Landeskonzept Berufliche Orientierung, Baden-Württemberg und Berufliche Orientierung, Hessen.

Zur Mittelausstattung: Kommentierung der Haushaltsplanung 2026, Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen. Die Zahl bezieht sich auf den Haushaltstitel „Berufsorientierung – Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“; dazu kommen Mittel des Europäischen Sozialfonds.

Zur Entwicklung der Sozial- und Arbeitsmarkttitel im Landeshaushalt hat auch Sina Zehrfeld berichtet: „Kahlschlag im Sozialen?“, Ruhr Nachrichten vom 6. September 2024.

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