Diese Seite ist für Familien gedacht, die zwischen den Ländern wechseln, und für Lehrkräfte, die wissen wollen, wie es nebenan geregelt ist. Sie ersetzt keine Rechtsberatung – die verbindlichen Fassungen stehen bei den Ministerien, verlinkt am Seitenende. Ändert ein Land etwas, steht es zuerst unter Aktuelles und danach hier.
Nordrhein-Westfalen
Das Programm heißt KAoA – „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Grundlage ist der Runderlass „Berufliche Orientierung“, in der Schulverwaltungsvorschrift geführt unter 12-21 Nr. 1.
In der gymnasialen Oberstufe sind fünf Standardelemente vorgesehen: Standortbestimmung, Entscheidungskompetenz I, Praxiselemente, Entscheidungskompetenz II und Studienorientierung. An jeder Schule gibt es dafür eine Studien- und Berufswahlkoordinatorin oder einen Koordinator, kurz StuBo – in der Regel die richtige erste Ansprechperson.
Die Oberstufe dauert drei Jahre: ein Jahr Einführungsphase, zwei Jahre Qualifikationsphase. Am neunjährigen Gymnasium beginnt sie in Klasse 11. Der erste G9-Jahrgang legt im Schuljahr 2026/27 das Abitur ab.
Baden-Württemberg
Das Programm heißt Landeskonzept Berufliche Orientierung, in Kraft seit 2018. Berufliche Orientierung ist zusätzlich als Leitperspektive im Bildungsplan verankert – sie soll also in vielen Fächern vorkommen, nicht nur in einem.
Getragen wird sie vom Fach Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS), das in Klasse 8 beginnt. Im neuen G9 kommt dort ein verbindliches Praktikumselement hinzu. Damit fängt die schulische Berufsorientierung in Baden-Württemberg früher an als in den beiden anderen Ländern.
Die Oberstufe dauert zwei Jahre. Sie heißt Kursstufe und umfasst vier Halbjahre; eine eigene Einführungsphase gibt es nicht. Das neue G9 ist seit dem Schuljahr 2025/26 Regelform, aufwachsend ab Klasse 5 und 6 – die dreijährige Oberstufe erreicht damit erst die Jahrgänge der 2030er-Jahre. Für alle heutigen Oberstufenschülerinnen und -schüler bleibt es bei zwei Jahren.
Hessen
Das Programm heißt OloV – „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule–Beruf“. Es besteht seit 2004; die gymnasialen Bildungsgänge sind seit 2011 einbezogen. Rechtlich gilt daneben die Verordnung zur Gestaltung der Beruflichen Orientierung in Schulen vom 17. Juli 2018.
Seit dem Schuljahr 2015/16 hat jedes Staatliche Schulamt eigene Ansprechpersonen für Berufliche Orientierung, eine davon zuständig für Gymnasien. Schulen können sich außerdem um das OloV-Gütesiegel bewerben.
Die Oberstufe dauert drei Jahre: Einführungsphase E1 und E2, danach die Qualifikationsphase Q1 bis Q4. Am neunjährigen Gymnasium sind das die Klassen 11 bis 13.
Wo es beim Wechsel klemmt
„Q2“ bedeutet nicht überall dasselbe. In Nordrhein-Westfalen ist Q2 das zweite Jahr der Qualifikationsphase, also das Abiturjahr. In Hessen ist Q2 das zweite Halbjahr – mitten im vorletzten Jahr. Wer umzieht und dieselbe Bezeichnung hört, meint leicht einen ganz anderen Zeitpunkt.
Die Länge ist verschieden, die Frist ist es nicht. Ob jemand drei Jahre Oberstufe hat oder zwei: Die bundesweite Ausschlussfrist für Studienbewerbungen liegt überall auf dem 15. Juli, und Unternehmen schreiben duale Studienplätze überall rund ein Jahr im Voraus aus. Mehr dazu unter Der Kalender, den niemand aushängt.
Daraus folgt der einzige praktische Satz, den man sich merken muss: In Baden-Württemberg muss die Orientierung früher beginnen – nicht weil das Land weniger tut, sondern weil die Oberstufe kürzer ist.
Was der Vergleich der Länder sonst noch zeigt
Der INSM-Bildungsmonitor bewertet jedes Jahr, wie die Bundesländer bei Bildungsarmut, Fachkräftesicherung und Wachstum dastehen. In der Ausgabe 2026 führt Sachsen vor Bayern, dahinter folgen Hamburg, Baden-Württemberg und das Saarland; am Ende des Feldes stehen Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Bremen.
Zwei Befunde daraus gehören zu unserer Arbeit:
Das Bildungsniveau sinkt in allen Bundesländern. Es gibt also kein Land, in dem man sich zurücklehnen könnte, und die Reihenfolge sagt weniger aus, als sie scheint.
Knapp ein Fünftel der jungen Erwachsenen hat keinen formalen Berufsabschluss – 18,8 Prozent. Das ist die Gruppe, bei der eine Entscheidung am Übergang schiefgegangen ist oder gar nicht erst getroffen wurde.
Was der Bildungsmonitor nicht misst: wie gut die Berufsorientierung in der Oberstufe funktioniert. Dafür gibt es keinen Indikator.
Was überall gleich bleibt
Alle drei Konzepte sorgen dafür, dass das Thema stattfindet, und sie erreichen alle Jugendlichen. Alle drei sind zugleich auf den Durchschnitt eines Jahrgangs gebaut und stoßen dort an ihre Grenze, wo jemand aus eigenem Antrieb weiter will. Das ist ausführlicher unter Wo das Pflichtprogramm endet beschrieben.
Unser Projekt FIBIDO™ setzt in allen drei Ländern an derselben Stelle an: nach dem Pflichtprogramm, freiwillig, mit einer Messung vor der Beratung. Und wenn das Budget nicht reicht, steht unter Projektfinanzierung, wer sonst zahlen kann.